Anatomie Mensch

Blutbildende Organe und Blutbildung

Bevor spätere hämatopoetische Organe wie Thymus, Milz und Knochenmark ausgebildet werden, übernimmt vorübergehend die fetale Leber die Funktion als blutzellbildendes Organ. In der fötalen Leber werden hämatopoetische Stammzellen erhalten und vermehrt, damit später eine Besiedelung des Knochenmarks möglich ist. Eine Neubildung findet weder hier noch in den späteren hämatopoetischen Organen statt.

Knochen mit Knochenmark, Zellen Blutzellen Immunzellen im Mark
Rotes Knochenmark: 1 Knochenmark, 2 weiße Blutzellen (Leukozyten), 3 rote Blutzellen (Erythrozyten), 4 Lymphozyt, 5 Monozyt, 6 eosinophiler Granulozyt, 7 basophiler Granulozyt, 8 neutrophiler Granulozyt, 9 Blutplättchen (Thrombozyten).
Knochenmark Medulla ossium mit Blut Blutzellen Immunzellen Stammzellen
Histologie Knochenmark (Medulla ossium), das wichtigste blutbildende Organ des Menschen. Es füllt die Hohlräume der Knochen, Markhöhle und Hohlräume der Spongiosa. Nur im roten Knochenmark (Medulla ossium rubra) befinden sich die blutbildenden Zellen.

Die Blutbildung erfolgt im roten Knochenmark. Beim Erwachsenen befindet es sich vorwiegend in den platten und kurzen Knochen, während die übrigen Markräume mit Fettmark ausgefüllt sind. Die im roten Knochenmark vorhandenen Stammzellen sind in der Lage, rote und weiße Blutzellen, aber auch Blutplättchen zu bilden. Nach entsprechenden Zellteilungen entstehen Vorstufen, die nicht mehr wandelbar sind, so dass sich die Entwicklungsreihen für die roten Blutzellen (Erythropoese) und für die weißen Arten (Leukopoese und Thrombopoese) herauskristallisieren. In diesen Prozess können Mitosegifte (z.B. Zytostatika), aber auch radioaktive Strahlen eingreifen, was zu Störungen in der Blutbildung führt.

Bei der Schilderung der Blutzusammensetzung müssen die vielfältigen Funktionen im Transport von Sauerstoff und Kohlensäure, von Nährstoffen und Stoffwechselschlacken, von Hormonen, von Antikörpern und Abwehrzellen, aber auch im Wärmeaustausch Berücksichtigung finden. Die zirkulierende Blutmenge umfasst zwischen 4,5 und 5,0 Liter (etwa 8 Prozent des Körpergewichts). Man unterscheidet geformte (zelluläre) und ungeformte (wässrige) Bestandteile. Letztere betragen etwa 56 Prozent des Blutvolumens und werden auch als Plasma bezeichnet. Dabei dominiert das Wasser mit 90 Prozent. Es folgen die Eiweiße mit 7 bis 8 Prozent. Daneben sind vor allem Salze, Nährstoffe, Sauerstoff, Kohlensäure (alles gelöst), Hormone und Abwehrstoffe zu nennen. Die geformten Teile machen etwa 44 Prozent des Blutvolumens aus.

Blutzellen des Blutes

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) erscheinen in dem ausgezogenen Blutausstrich mit ihren flachen Seiten nebeneinander liegend. Dies erklärt sich aus ihrer bikonkav eingedellten und abgerundeten Scheibenform mit einem Durchmesser von 7,8 µm (Normozyt). Die reifen Erythrozyten sind kernlos. Ihr Eiweißgehalt besteht zu 95 Prozent aus dem roten Blutfarbstoff (Hämoglobin), der den Sauerstoff bindet. Die Lebensdauer der Erythrozyten beträgt etwa 120 Tage. Im strömenden Blut kommen noch unreife Erythrozyten (Retikulozyten) mit etwa 1,5 Prozent vor. Durch Anfärbung stellen sich bei ihnen netzartige Strukturen dar.
Zu den weißen Blutzellen (Leukozyten) gehören die Granulozyten, die aufgrund der Anfärbbarkeit ihrer Körnerstruktur in neutrophile, eosinophile und basophile Zellen unterschieden werden. Hinzu kommen die Monozyten, aber auch die Lymphozyten.
Wichtig für die Blutgerinnung sind die Blutplättchen, die kernfrei sind und Fragmente des Zellleibs der Knochenmarkriesenzellen enthalten.

Blutzusammensetzung und ihre klinische Bedeutung

Von klinischer Bedeutung bleibt als Beziehungseinheit der Inhalt von 1 Liter Blut mit 4,5 bis 5,5 10hoch12 Erythrozyten, 3,8 bis 9,8 10hoch9 Leukozyten und 100 bis 250 10hoch9 Thrombozyten (in 1mm3 Blut sind das 4,5 bis 5,5 Millionen Erythrozyten, 3.800 bis 9.800 Leukozyten und etwa 100.000 bis 250.000 Thrombozyten). Das Differentialblutbild der Leukozyten widerspiegelt ein fast konstantes Zahlenverhältnis zwischen den einzelnen Untergruppen und lautet: neutrophile Granulozyten 55 bis 66 Prozent, eosinophile Granulozyten 2,5 bis 4 Prozent, basophile Granulozyten 0,5 bis 1 Prozent, stabkernige Granulozyten 2 bis 3 Prozent, Monozyten 5 bis 7 Prozent, Lymphozyten 25 bis 56 Prozent. Eine Vermehrung nennt man Leukozytose und eine Verminderung Leukopenie. Eine Verminderung der Erythrozyten stellt eine Anämie dar.

Blutzellen: Makrophage (große Fresszelle), Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyt (weiße Blutzelle) und kleine Thrombozyten (Blutplättchen).
Blutzellen im Blut bei Blutkrebs Leukämie
Blutgefäß mit rote Blutkörperchen (Erythrozyten) und weißen Blutzellen (Leukozyten) normal und Zunahme der Leukozyten bei Blutkrebs (Leukämie).

Abwehrsystem im Blut

Das Abwehrsystem im Blut ist darauf gerichtet, dass aus der Umwelt eingedrungene Stoffe oder Krankheitserreger ihre negativen Wirkungen nicht entfalten können. Andererseits ist das System in der Lage, genetische Abweichungen im eigenen Körper zu bekämpfen. Allgemein sind die Abwehrleistungen an die weißen Blutzellen gebunden, so bei der Eiterung an die neutrophilen Granulozyten (Mikrophagen) und bei Absonderungen der serösen Häute (z.B. Pleuraexsudat) an die Monozyten (Makrophagen). Im spezifischen Abwehrsystem oder Immunsystem gibt es verschiedene Lymphozytenformen, die gegen das eingedrungene Antigen einen Antikörper entwickeln und eine Immunität erzeugen.

Blut, Blutzellen Blutkörperchen mit Plasmazelle in Knochenmark
Gesundes Blut mit Plasmazelle (unten rechts), roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutzellen und kleinen Blutplättchen (Thrombozyten).
Blut besteht aus Blutzellen und Blutplasma, das als Träger dieser Zellen fungiert
Blut Blutgruppen und Gerinnung Blutzellen Blutgerinnung Hämostase
Schema Blutgruppen A, B, AB und 0 mit Antikörper; Blutgerinnung: primäre und sekundäre Hämostase bei Verletzung (rechts).

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