Physiologie Mensch

Freie Radikale, radikale Oxidantien

Freie Radikale sind Zwischenprodukte des Stoffwechsels, die ständig in jeder Zelle des menschlichen Körpers entstehen. Sie sind hochreaktive, sehr aggressive, chemische Sauerstoffmoleküle oder organische Verbindungen, die Sauerstoff enthalten. Freie Radikale im menschlichen Organismus entstehen durch fast alle Stoffwechselvorgänge die mit Sauerstoff zu tun haben; deshalb werden die Radikale auch radikale Oxidantien genannt. Freie Radikale greifen massiv in den Zellstoffwechsel des Menschen ein und schädigen Gewebe und Organe.

Zelle Zellwand Zellmembran, Freie Radikale radikale Oxidantien zerstören Zelle
Freie Radikale zerstören und durchdringen eine Zellwand (Zellmembran), die Funktion der Mitochondrien (Kraftwerk oder Energiefabrik der Zellen) wird gestört.
Schutz der Zelle Zellwand Zellmembran durch Coenzym Q10 gegen freie Radikale
Antioxidantien wie Vitamine und Coenzym Q10 schützen Zellwand (Zellmembran) vor freien Radialen (radikale Oxidantien), die Zellen können arbeiten.

Freie Radikale sind Teile von Molekülen, an deren Bruchstelle sich ein Atom mit einem so genannten ungepaarten Elektron befindet. Durch freie, also ungebundene Radikale, werden biologisches Gewebe in oxidativen Stress versetzt und können es – indem sie als Initiator eine Kettenreaktion auslösen – zerstören. Darin kann sich ein freies Radikal mit dem Teil eines bestehenden Moleküls zu einem neuen Molekül verbinden.

Wird der neue Reaktionspartner ebenfalls als freies Radikal freigesetzt, so kann er eine analoge Reaktion verursachen. In solch einer Kettenreaktion verschwinden vom Körper gewünschte Moleküle und es entstehen unerwünschte oder gefährliche Moleküle. Bedingt durch ihre hohe Reaktivität existieren Radikale meistens nur sehr kurze Zeit (<1 Sekunde). Ausnahmen sind stabilisierte Radikale, z.B.Triphenylmethylradikale (Gomberg-Radikal). Diese stehen in Lösung mit ihren Dimeren im Gleichgewicht. Auch in der Natur kommen stabile Radikale vor. So beinhaltet zum Beispiel das Enzym Ribonukleotidreduktase ein Tyrosylradikal, welches eine Halbwertszeit von 4 Tagen aufweist.

Biologische Prozesse und Schutz vor freie Radikale

Freie Radikale, etwa reaktive Sauerstoffspezies, spielen bei einer Vielzahl biologischer Prozesse eine wichtige Rolle, können aber auch Zellschäden hervorrufen, die u.a. zur Entstehung von Krebserkrankungen beitragen können. Auch für die Entstehung der Arteriosklerose, der Alzheimerschen Krankheit, der durch Alkohol hervorgerufenen Leberschädigung wird der durch freie Radikale vermittelten Oxidation verschiedener Stoffe eine bedeutsame Rolle zugeschrieben. Da der Schutz vor der Wirkung freier Radikale lebensnotwendig ist, besitzt der Körper wirksame Abwehrmechanismen und Reparaturmechanismen in Form von Enzymen, Hormonen oder anderen Substanzklassen, die den Schaden minimieren. An diesen Abwehrmechanismen sind Antioxidantien wie Epigallocatechingallat, Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Coenzym Q10 und Anthocyane beteiligt. Auch Bilirubin, Harnsäure sollen bestimmte freie Radikale neutralisieren können. Das Hormon Melatonin gilt ebenfalls als Radikalenfänger gegen den oxidativen Stress.

Aufbau der Moleküle beim freien Radikal

Moleküle bestehen aus Atomen, die durch Paare von Elektronen miteinander verbunden sind. Wenn ein gebundenes Atom einem Atom mit einem ungepaarten Elektron begegnet, mit dem es stärker binden kann als mit einem seiner jetzigen „Partner“, dann wechselt es zum Atom mit dem ungepaarten Elektron über. Es nimmt dabei eines der Elektronen aus seiner früheren Bindung mit und dieses paart sich mit dem ungepaarten Elektron. Der frühere „Partner“ bleibt jetzt mit einem ungepaarten Elektron zurück. Das übergewechselte Atom ist noch mit anderen „Partner“ verbunden. Das Atom, das anfangs ein ungepaartes Elektron besaß, ist auch noch mit anderen Atomen verbunden. Das Ganze ist jetzt ein neues Molekül. Der frühere „Partner“ ist weiterhin mit anderen Atomen verbunden – diese Atomgruppe ist ein neues freies Radikal.

Fettsäuren sind aliphatische Monocarbonsäuren mit zumeist unverzweigter Kohlenstoffkette. Die Bezeichnung entsteht aus der Erkenntnis, dass natürliche Fette und Öle aus den Estern langkettiger Carbonsäuren mit Glycerin bestehen.
Ungesättigte Fettsäuren enthalten mindestens eine Doppelbindung, die durch Hydrierung aufgesättigt werden kann. Sie werden häufig als gesunde, gute Fette deklariert. Ungesättigte Fettsäuren wirken sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem aus.

Freie Radikale Sauerstoff Moleküle
Entstehung freier Radikale am Beispiel von Sauerstoff.
Molekularstruktur Fett Fettsäuren Triglyceride
Molekularstruktur Triglyceride (Triglyzeride, Glycerol-Triester, die zu den Blutfetten gehören, dreifache Ester des dreiwertigen Alkohols Glycerin mit drei Säuremolekülen, die den Hauptanteil der Nahrungsfette bilden.
Molekül Fett Fettbausteine Fettsäure
Molekularstruktur der Fettsäure. Fettsäuren können gesättigt und ungesättigt sein, dabei gelten ungesättigte Fettsäuren als gesünder als gesättigte, da sie als Fänger für freie Radikale fungieren können.

Bilder: © MediDesign Frank Geisler

Die Bilder können direkt über das Bildarchiv www.medical-pictures.de erworben werden.

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