Anatomie Mensch

Gehirn, Hirnteile der Basalfläche

Als Gehirn (Hirn, Cerebrum, Encephalon) ist der im Kopf gelegene Teil des zentralen Nervensystems (ZNS), liegt in der Schädelhöhle geschützt und wird von Hirnhäuten umhüllt. Das Gehirn ist die zentrale Steuerzentrale des Körpers und besteht hauptsächlich aus Nervengewebe.  Das menschliche Gehirn lässt sich grob unterteilen in Großhirn, Zwischenhirn, Kleinhirn und Hirnstamm.

An der Basalseite (Unterfläche) des Gehirns (Facies inferior) wiederholt die Gliederung der inneren Schädelbasis (Basis cranii interna) und ermöglicht eine Lokalisation der Hirnteile von außen.
Ansicht Hirnbasis mit Sehnerven, Sehbahnen und Sehrinde. Der visuelle Cortex nimmt den Großteil des Hinterhauptslappens des Gehirns ein.

An der Basalseite (Unterfläche) des Gehirns lassen sich die drei Schädelgruben unterscheiden.  Vorn werden die unteren Anteile des Stirnlappens sichtbar. Medial liegt der Riechkolben (Bulbus olfactorius, Fortsetzung des I. Hirnnerven. Die Basalansicht des Gehirns (Facies inferior) wiederholt modellhaft die Gliederung der inneren Schädelbasis (Basis cranii interna) und ermöglicht so eine gute Lokalisation der Hirnteile von außen. Schädelbasis (Basis cranii) versteht man den unteren Teil des Hirnschädels. Die Schädelbasis wird gebildet von den basalen Anteilen des Hinterhauptbeins (Os occipitale), des Keilbeins (Os sphenoidale) und des Pflugscharbein (Vomer).

Anatomie Hirnteile und Nerven der Schädelbasis

Vorn befinden sich sich die basalen Teile der Stirnlappen, seitlich und tiefer gelegen füllen die Schläfenlappen die mittleren Schädelgruben aus, während die hinteren Schädelgruppen den Hemisphären des Kleinhirns vorbehalten sind. Der gerade Hirnwindung (Gyrus rectus) des Stirnlappens liegt der Riechkolben (Bulbus olfactorius) an. Er nimmt die aus der Nasenhöhle kommenden und durch die Siebbeinplatte (Lamina cribrosa) tretenden Riechnerven (Nn. olfactorii, I) auf und setzt sich in die Riechbahn (Tractus olfactorius) fort. Es sind insgesamt 12 bzw. 13 Hirnnervenpaare oder Kopfnervenpaare (Nn. craniales), die gewöhnlich mit den römischen Zahlen I bis XII beschriftet werden. Medial und hinter dem Tractus olfactorius bilden die Sehnerven (Nn. optici, II) die Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum). Unmittelbar davor befindet sich der Hypophysenstiel (Infundibulum).

Die enge Nachbarschaft von Sehnervkreuzung und Hirnanhangdrüse (Hypophyse, Glandula pituitaria) bedingt bei Hypophysentumoren die Sehstörung. Die Hypophyse sitzt in der Sella turcica, einer knöchernen Vertiefung der Schädelbasis auf Höhe der Nase und mitten im Schädel. Der Vorderlappen der Hirnanhangsdrüse, die Adenohypophyse, ist in der Regel der Ursprung von Hypophysentumoren. Dabei können Hypophysentumoren aus jeder aktiven Zelle des Vorderlappens entstehen. In diesem erhöhten Abschnitt der Schädelbasis nahe der Mittelinie folgen dorsal vom Infundibulum die Corpora mamillaria des Zwischenhirns (Diencephalon). Seitlich davon befinden sich die inneren Karotiden (A. carotis interna dextra et sinistra).

Hirnstamm (Truncus cerebri), der älteste Teil des Gehirns, mit Nerven: I = Tractus olfactorius, II = N. opticus, III = N. oculomotorius, IV = N. trochlearis, V1 = N. ophthalmicus, V2 = N. maxillaris, V3 = N. mandibularis, V4 = Radix motoria n. trigemini, VI = N. abducens, VII = N. facialis, VIII = N. vestibulocochlearis, IX = N. glossopharyngeus, X = N. vagus, XI = N. accessorius, XII = N. hypoglossus.

Am Vorderrand der Brücke (Pons) werden der Augenmuskelnerv (N. oculomotorius, III), an ihrem Seitenrand ein weiterer Augenmuskelnerv (N. trochlearis, IV), der Drillingsnerv (N. trigenimus, V, sensibler Gesichtsnerv) und am Hinterrand noch ein Augenmuskelnerv (N. abducens, VI) sichtbar. In den Spalten zwischen Brücke, Kleinhirn und verlängertem Mark tritt die Fazialisgruppe (motorischer Gesichtsnerv = N. facialis, VII mit N. intermedius, XIII und Hörnerv und Gleichgewichtsnerv = N. vestibulocochlearis, VIII) aus. Dahinter schließen sich die Vagusgruppe (Zungen-Rachen-Nerv = N. glossopharyngeus, IX) an. Der motorische Zungennerv (N. hypoglossus, XII) verlässt zwischen Pyramide und Olive das verlängerte Mark (Medulla oblongata). Die Ursprungsgebiete bzw. Endkerngebiete der Hirnnerven erstrecken sich vom Mittelhirn bis in das verlängerte Mark. Dadurch lassen bestimmte klinische Ausfälle auf Schädigung begrenzter Hirnanteile schließen. Von den Hirnnerven ist der N. opticus ein in die Peripherie verlagerter Hirnteil. Gemischte Nerven, d.h. mit motorischer und sensibler Qualität versehen, sind: V, IX, X. Die Nerven IV, VI, VII, XI, XII sind nur motorisch. Zusätzlich enthalten die Nerven III, XIII, IX und X noch vegetative (parasymathische) Fasern.
Die Geschmacksfasern verlaufen im Nervus XIII. An der Oberfläche der Brücke und seitlich von Hypophyse und Chiasma opticum befinden sich im Cavum subarachnoidale, von der Spinnwebenhaut (Arachnoidea) bedeckt, die Gefäßstämme des Circulus arteriosus cerebri und die davon abgehenden Gefäßäste.

Gehirn mit Sehrinde Assoziationsfelder visueller Cortex
Gehirn mit Augen, Sehnerven und Sehrinde (visueller Cortex).
Schädelbasis (Basis cranii) mit vordere (grün), mittlere (violett) und hintere (blau) Schädelgruben (Fossa cranii).

Bilder: © MediDesign Frank Geisler

Die Bilder können direkt über das Bildarchiv www.medical-pictures.de erworben werden.

Weitere interessante Artikel

Artikel Teilen

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin